In Deutschland müssen jährlich Millionen Tonnen Gemüse importiert werden, um die Nachfrage zu decken. Um diese Abhängigkeit zu verringern und gleichzeitig die Umwelt durch weniger Transporte zu schonen, hat das Münsteraner Startup Stallgrün ein innovatives Konzept entwickelt. Durch die Nutzung ehemaliger Schweineställe für den Anbau von Kräutern und Gemüse will das Unternehmen frische, regionale Produkte anbieten und die damit verbundenen Emissionen reduzieren. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt dieses zukunftsweisende Vorhaben mit 125.000 Euro.
Das Startup Stallgrün bietet eine Lösung für die Herausforderungen, die sich aus der saisonalen Verfügbarkeit von Gemüse ergeben. Die Gründer Judith Ryll und Thorsten Lansmann-Niehaus haben ein System entwickelt, das eine ganzjährige Produktion von Kräutern und Gemüse ermöglicht, wodurch Landwirte in der Lage sind, auch während der Wintermonate frische Produkte anzubauen. Dies ist besonders wichtig, da die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland mit einem signifikanten Rückgang der Schweinehaltung konfrontiert sind.
Die Anzahl der Betriebe mit Schweinehaltung hat in den letzten Jahren stark abgenommen, was neue Möglichkeiten für die Nutzung bestehender Infrastruktur eröffnet. Laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde bietet die innovative Nutzung freigewordener Ställe zukunftsfähige finanzielle Perspektiven für landwirtschaftliche Unternehmen. Stallgrün hat bereits auf einer Pilotfarm bewiesen, dass der Anbau in ehemaligen Tierställen nicht nur wirtschaftlich attraktiv ist, sondern auch umweltfreundlich umgesetzt werden kann.
Um die Anbautechniken zu optimieren, hat Stallgrün spezifische Anbauprotokolle für verschiedene Kräuter- und Gemüsearten entwickelt. Diese Protokolle beinhalten den optimalen Einsatz von Saatgut, Erde, Dünger, Licht und Bewässerungszyklen, um eine erfolgreiche Produktion sicherzustellen. Diese Unterstützung soll Landwirten helfen, ihre Betriebe erfolgreich auf Indoor Farming umzustellen oder zu erweitern.
Zusätzlich fördert Stallgrün die Vermarktung der Produkte, indem es Landwirte beim Aufbau ihrer Vertriebsstrukturen unterstützt. Das Unternehmen bietet auch einen Materialhandel an, der die erforderlichen Anbaumaterialien bereitstellt, und rechtliche Hilfen zur Verwaltung der Betriebe. Das Ziel ist es, die regionale Lebensmittelproduktion zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Stallgrün sieht sich nicht als Ersatz für traditionelle Anbaumethoden wie den Freiland- oder Gewächshausanbau, sondern als sinnvolle Ergänzung. Durch die Kontrolle über Faktoren wie Temperatur und Licht ist der Anbau unabhängig von Wetterbedingungen, was eine durchgehende Verfügbarkeit der Produkte ermöglicht. Dies führt zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Infrastruktur und eröffnet Landwirten neue Geschäftsmöglichkeiten, die in der Vergangenheit durch den Rückgang der Schweinehaltung eingeschränkt waren.
Insgesamt zielt dieses Konzept darauf ab, die regionale Landwirtschaft zu revitalisieren und einen Beitrag zur Reduktion von Emissionen und Transportaufwand zu leisten. Die Förderung durch die DBU ist ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft in Deutschland.
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