Die Kombination von Bäumen und Ackerbau wird immer relevanter in der Landwirtschaft. Auf dem Nikolaushof in Nörvenich findet derzeit der Aufbau eines Agroforstsystems statt, das auf nachhaltige Bewirtschaftung abzielt. Auf einer Fläche von rund 12 Hektar wurden 180 Walnussbäume gepflanzt, die zwischen Ackerstreifen angeordnet sind. Diese Anordnung ermöglicht es, landwirtschaftlich genutzte Flächen zu integrieren, während die Bäume gleichzeitig langfristig wachsen und sich entwickeln.
Aktuell beträgt die Breite der Ackerstreifen etwa 24 Meter. Mit der Zeit wird erwartet, dass diese Streifen schmaler werden, da die Baumkronen sich ausdehnen. Dies ist ein Beispiel für einen „sukzessionellen“ Agroforst, der die Anpassung der landwirtschaftlichen Flächen an die wachsenden Bäume berücksichtigt. Die Nord-Süd-Ausrichtung der Baumstreifen soll eine übermäßige Beschattung der Ackerflächen vermeiden und eine optimale Nutzung des Sonnenlichts gewährleisten.
Betriebsleiter Klaus Schmitz-Peiffer betont die Bedeutung der Freude an innovativen Ansätzen. „Die Walnuss ist für mich ein Zukunftsbaum“, sagt er und verweist auf die Vielfalt der 13 Walnusssorten, die in diesem System gepflanzt wurden. Darunter befinden sich unter anderem französische und ungarische Sorten, die für ihre Ertragspotenziale bekannt sind. Ziel ist es, eine Erntemenge von etwa 70 bis 80 Kilogramm pro Baum zu erreichen.
Die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche wird durch eine 60 bis 70 Zentimeter dicke Lössauflage begünstigt, die auf kiesigen Böden liegt. In diesem Jahr werden zwischen den Walnussbäumen Kartoffeln und Winterroggen angebaut. Trotz der Herausforderungen durch die begrenzte Wasserleitfähigkeit im kiesigen Unterboden können die Walnüsse an Wasser gelangen, was für die Ackerbaukulturen von Vorteil ist. Die Verdunstung der Bäume trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei und unterstützt die Bewirtschaftung der Fläche unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen.
Während der letzten fachlichen Austauschgespräche wurde deutlich, dass die laufende Bewirtschaftung der Agroforstsysteme entscheidend ist. Besonders intensiv wurden die Pflege der Baumscheiben, Schnittmaßnahmen und die allgemeine Baumentwicklung diskutiert. Diese Aspekte sind in der praktischen Umsetzung oft unterschätzt, haben jedoch einen erheblichen Einfluss auf das Wachstum und die Gesundheit der Bäume.
Die Ackerstreifen werden derzeit von einem benachbarten Biobetrieb bewirtschaftet, der verschiedene Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Beete, Möhren und Pastinaken anbaut. Zukünftige Nutzungsmöglichkeiten der Fläche könnten auch die Beweidung durch Rinder und Hühner oder die Anpflanzung weiterer Kulturen umfassen.
Die Exkursion hat gezeigt, dass Agroforstsysteme sehr unterschiedlich gestaltet werden können. Während auf dem Nikolaushof die Walnuss im Mittelpunkt steht, setzen andere Betriebe auf verschiedene Baumarten wie Pappeln. Der neu gegründete „Agroforst-Hub“ auf Schloss Türnich wird in den kommenden Jahren Modellflächen für verschiedene Agroforstsysteme im Rheinischen Revier entwickeln und somit einen wertvollen Beitrag zur Erforschung und Etablierung nachhaltiger Landwirtschaft leisten.
Foto - www.oekolandbau.nrw.de