Neue genomische Techniken (NGTs) in der Tierzucht eröffnen vielversprechende Möglichkeiten zur Verbesserung von Tierwohl und Effizienz. Der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) fordert jedoch einen klaren Rechtsrahmen, der Innovationen fördert und gleichzeitig konventionelle Züchtungsmethoden schützt. In einer aktuellen Pressemitteilung erklärt der BRS, dass NGTs ein wesentliches Instrument für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung darstellen können, vorausgesetzt, dass die politischen Rahmenbedingungen stimmen.
Das Positionspapier des BRS, das gemeinsam mit Vertretern aller Mitgliedergruppen erstellt wurde, fordert einen rechtlichen Rahmen für NGTs, der es den Züchtern ermöglicht, zwischen verschiedenen Methoden zu wählen. Dabei soll eine risikobasierte Regulierung sowohl den Schutz der Nutztierhalter gewährleisten, die NGT-Verfahren ablehnen, als auch die positiven Potenziale dieser Technologien für Tierwohl und Tiergesundheit nutzbar machen.
Ein zentrales Anliegen des Positionspapiers ist es, die Vorteile von NGTs in der Nutztierhaltung rechtlich abzusichern. Dazu gehören gezielte genetische Anpassungen, die erhebliche Fortschritte bei der Krankheitsresistenz, Hitzetoleranz und der Schaffung allergenarmer Produkte wie Milch ermöglichen könnten. Die Diskussion im Gremium hat ergeben, dass es sich bei den meisten der vorgeschlagenen Verfahren nicht um klassische Gentechnik handelt, sondern um präzise Veränderungen einzelner Basenpaare, die auch in der Natur vorkommen können.
Techniken wie CRISPR/Cas ermöglichen es, solche Veränderungen effizient umzusetzen, ohne zusätzliche Risiken im Vergleich zu traditionellen Züchtungsmethoden zu schaffen. Wissenschaftliche Einschätzungen deuten darauf hin, dass diese Formen der Genomeditierung von natürlichen Mutationen nicht zu unterscheiden sind. Daher ist eine differenzierte Betrachtung dieser Technologien notwendig, um ihr Potenzial für Tierwohl, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz verantwortungsvoll zu nutzen.
Der BRS verfolgt mit seinen Forderungen nicht nur eine technische Debatte, sondern setzt sich für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Nutztierhaltung ein. Stephan Schneider, stellvertretender Geschäftsführer des BRS, betont, dass es nicht um ein einfaches Ja oder Nein zu bestimmten Technologien geht, sondern um die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Zukunft der Nutztierhaltung aktiv zu gestalten.
Die konkreten Forderungen des BRS umfassen:
Wahlfreiheit bei der Anwendung von NGTs durch eine risikobasierte Regulierung
Gleichstellung bestimmter NGT-Verfahren mit konventionellen Zuchtmethoden
Zulassung von Nutztieren aus Drittländern nur, wenn europäische Entwicklungen marktreif sind
Transparente Systeme zur Kennzeichnung und Dokumentation
Stärkung von Forschung und praktischen Anwendungen
Politische Unterstützung für Innovationen und Verbraucherinformation
Ausschluss von Patenten auf Nutztiere
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Innovationskraft in der Tierzucht zu fördern und gleichzeitig den Schutz der Betriebe zu gewährleisten, die auf NGT-freie Zucht setzen. Die Diskussion um NGTs zeigt, wie wichtig es ist, dass Deutschland in der globalen Landwirtschaft wettbewerbsfähig bleibt und gleichzeitig ethische Standards im Tierwohl hochhält.
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