In Rottenacker-Neudorf, einem kleinen Ort im Alb-Donau-Kreis, sorgt das geplante Projekt eines Hähnchen-Maststalls für hitzige Diskussionen. Die Familie Renz plant, einen Stall für fast 30.000 Tiere zu errichten, wobei angestrebt wird, die Haltungsform 3 (Außenklima) oder möglicherweise sogar Haltungsform 4 (Premium) umzusetzen. Diese Haltungsformen sind darauf ausgelegt, eine geringere Tierdichte und somit bessere Lebensbedingungen für die Tiere zu gewährleisten. Trotz dieser hohen Standards regt sich massiver Widerstand in der kleinen Gemeinde mit nur 25 Einwohnern.
Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, die vehement gegen das Projekt kämpft. Sie bezeichnet den geplanten Maststall als "Tierfabrik" und hat bereits 19 Einwendungen an das Landratsamt gesendet. Monika Lehner von der Initiative äußert Bedenken hinsichtlich möglicher Geruchsbelästigungen: "Die hohen Kamine helfen nicht, wenn der Geruch irgendwohin muss."
Stefanie Renz, die Landwirtin des Ehepaars, widerspricht diesen Befürchtungen. Sie erklärt, dass die Küken in einem klimatisierten Stall untergebracht sind, der auf 38 Grad beheizt wird. Die Lüftung sei minimal und die Einstreu müsse immer trocken gehalten werden, um Gerüche zu vermeiden. "Wenn wir alles richtig machen, entsteht kein Gestank", versichert sie.
Ein weiteres zentrales Anliegen der Bürgerinitiative ist die mögliche Nitratbelastung des Grundwassers. Das geplante Grundstück ist von Wassergräben durchzogen, die in die nahegelegene Donau führen. Die Initiative fürchtet, dass die intensive Tierhaltung negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung haben könnte.
Die Bürgerinitiative hat eine Petition gestartet, die innerhalb kürzester Zeit fast 2.500 Unterschriften gesammelt hat, was mehr als der Einwohnerzahl von Rottenacker entspricht. Diese Unterschriften stammen nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch von Bürgern aus großen Städten wie Stuttgart und München. Dennoch hat das Landratsamt mitgeteilt, dass die Chancen, die Genehmigung des Projekts zu verhindern, gering sind, da Bürgerinitiativen im Genehmigungsverfahren kein eigenes Beteiligungsrecht haben.
Die Bürgerinitiative hofft auf einen Dialog mit der Familie Renz und strebt eine einvernehmliche Lösung an. Tanja Proksch von der Initiative sagt: "Wir würden uns freuen, wenn sie auf uns zukommen und einen gemeinsamen Weg finden." Auch das Ehepaar Renz bekundet Interesse an einem Austausch. Sie planen, die Bevölkerung von Neudorf zu einer Besichtigung des geplanten Maststalls einzuladen, um mögliche Bedenken auszuräumen und für mehr Transparenz zu sorgen. Beide Seiten sind optimistisch, dass eine Lösung gefunden werden kann, die sowohl die Belange der Tierschutzbefürworter als auch die der Landwirte berücksichtigt.
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