Die Auswahl an Lebensmitteln in den Supermärkten könnte bald eingeschränkt werden, wenn nicht die Biodiversität und der Zugang zu vielfältigem Saatgut gesichert werden. Der Verlust der Artenvielfalt stellt eine erhebliche Herausforderung für die Nahrungsmittelversorgung dar. Laut Felix Ahlers, Vorstand von Frosta, sind die Lieferketten durch Handelsrestriktionen und unzuverlässige Transportwege bereits unter Druck. Langfristig könnte die ökologische Krise, insbesondere der Verlust der Biodiversität, die größte Bedrohung darstellen. Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) betont, dass Variation in der Züchtung entscheidend ist, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern. Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit von Kaufland mit Europlant zur Züchtung neuer Kartoffelsorten, die auch unter extremen Wetterbedingungen verlässliche Ernten liefern sollen.
Die Entwicklung neuer Sorten dauert in der Regel viele Jahre. Kaufland investiert erheblich in die Züchtung und hat bereits etwa 15 neue Kartoffelsorten auf den Markt gebracht. Diese Sorten sind mittlerweile Standards im Discount-Segment. Die Nutzung neuer genomischer Techniken (NGT) wie CRISPR/Cas könnte diesen Prozess jedoch beschleunigen. Diese Technologien versprechen, klima- und schädlingsresistente Sorten schneller zu entwickeln. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich der potenziellen Risiken für die Ökosysteme. Kritiker warnen vor den möglichen Folgen, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen in die Umwelt gelangen und sich dort unkontrolliert verbreiten.
Ein zentrales Thema in der aktuellen Diskussion ist die Regulierung von NGT in der EU. Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in diesen Technologien ein wichtiges Werkzeug für die Erhöhung der Ertragssicherheit und die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, warnt jedoch vor einer Konzentration von Marktmacht durch Patente. Der BDP betont, dass Patente auf Saatgut und Pflanzen den Zugang zu Züchtungsmaterial einschränken könnten. Es wird eine Balance zwischen Innovationsanreizen und freiem Zugang zu genetischen Ressourcen gefordert.
Die geplanten Änderungen in der EU-Gentechnikgesetzgebung könnten ebenfalls die Vielfalt im Lebensmittelregal beeinträchtigen. Eine weitgehende Gleichsetzung von NGT-Pflanzen mit konventionellen Pflanzen würde die Risikoprüfung erheblich lockern. Dies könnte dazu führen, dass Verbraucher nicht ausreichend informiert werden und die Wahlfreiheit bei der Auswahl von Lebensmitteln eingeschränkt wird. Insbesondere die Bio- und „Ohne Gentechnik“-Branche äußert Bedenken hinsichtlich ihrer Existenz, sollten NGT-Pflanzen nicht klar gekennzeichnet werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fortschritt in der Züchtung und der Zugang zu vielfältigem Saatgut für die zukünftige Ernährungssicherheit entscheidend sind. Die Branche steht vor der Herausforderung, innovative Züchtungsmethoden zu nutzen, ohne die Biodiversität und den Wettbewerb zu gefährden.
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